Igoumenitsa-Bari-Venedig-Bruneck

Das 3.Welt Land Griechenland durfte ich ja endlich verlassen, auf der Fähre habe ich mir auch eine gemütliche Ecke in einem unbenutzten Treppenhaus in der Nähe der „Crew Cabins“ gesucht. Schlafsack ausgerollt und erstmal Schlaf nachgeholt. Irgendwann verirrte sich dann jemand in Cargohosen an „meinen“ Schlafplatz und wollte an die Steckdose. Erstmal auf Englisch gesprochen, nach einem beidseitigen „Where are you from? I’m from Germany“ dann auf deutsch gewechselt. Der werte Herr war ein Ingenieur in Rente, als Hobby macht er in Griechenland mit Olivenöl rum. Er erzählte mir dann, dass er sich diese Ecke auf der Fähre regelmäßig auf seinen Pendelfahrten als Schlafplatz nutzt. Er ist mit einer leider etwas zu neuen G-Klasse unterwegs und hat wie ein Rohrspatz über seinen 320 CDI mit Automatikgetriebe geschimpft. Kommt halt davon, wenn man einen Geländewagen samt Anhänger mit C-Klasse Antrieb fährt. Seine Werkstattgeschichten waren echt schauderlich, die Reparaturkosten jenseits von Gut und Böse. Aber meine Philosophie vom aufgerüsteten 190er mit Gasanlage fand er durchaus interessant. Vor allem in Puncto Reparaturfreundlichkeit und Ersatzteilversorgung. Wir haben uns dann auf folgende Kombination als perfektes Fernreiseauto geeinigt: G230E Langversion der Schweizer Armee (4 Gang Automatik noch aus den seligen W123 Zeiten) in Kombination mit Gasanlage und individuellem Heckausbau. Baujahr bis max. 1995

Eine Recherche brachte allerdings die Erkenntnis, dass unter 15-18.000€ ein solches Fahrzeug nicht zu erwerben bzw. umzubauen ist. Das sprengt leider das Budget. Aber wenn man Mal träumen darf: Auto nach Maß kostet knapp 20.000€, dazu noch 20.000€ pro Jahr zum Leben. Das macht dann in Summe mit etwas Reserve 250.000€, um die nächsten 10 Jahre einfach sinnlos in der Weltgeschichte herumdödeln zu können. Nun muss ich nur noch einen Mäzen finden, der den Plan gut findet und mir das finanziert. Oder eine reiche Frau heiraten. Wobei ich dann letztere mitschleppen müsste. Da beißt sich dann die Katze in den Schwanz. Denn in der Preisklasse muss man so erhebliche Abstriche bei Optik und Alter machen, dass das sich schon wieder nicht lohnt.

Kurzer Cut:

Fähre hält in Bari, und die 5 Carabinieri schauen ganz schön blöd, als etwa 150 Flüchtlinge aus dem Bauch des Schiffes purzeln. Die sind nämlich in Griechenland zwar registriert worden, aber dann mit tatkräftiger Unterstüzung der griechischen Küstenwache durch aktives Wegsehen an Bord gelangt. Auf Nachfrage wurde mir diese Kuriosität dann erklärt. Die Flüchtlinge werden pro Nase etwa 3x unter ähnlichem Namen (Tippfehler) registriert und von Griechenland an die EU gemeldet. Dadurch ergeben sich exorbitant hohe Flüchtlingszahlen, wodurch Griechenland von der EU Hilfen zur Versorgung der Flüchtlinge bekommt. Aus Eins mach Drei. Da aber der griechische Staat nicht mal den einen Flüchtling gefüttert bekommt, wird der einfach auf die Fähre gebracht und purzelt in Italien aus dem Schiffbauch. Aufgrund der Tatsache, dass er aber nie offiziell (samt seinen 3 vertippten imaginären Doppelgängern) Griechenland verlassen hat, bekommt der Grieche quasi 3x Geld für eine Person, die gar nicht mehr in Griechenland ist. Und der Italiener hat den Flüchtling an der Backe. So schaut das also in der Realität aus.

Aufgrund dieser „Live“ Erfahrung sammelt Griechenland bei mir noch mal Extrapunkte auf meiner persönlichen Liste von Ländern, die einfach nur Scheiße sind.

Den griechischen Lademeistern gilt noch ein besonderes Lob, weil sie so clever waren und alle Leute mit Ziel Bari auf eine Seite des Schiffes gestellt haben. Nachdem diese die Fähre verlassen hatten, wies das Schiff eine schöne Schräglage auf. Nun mussten erstmal die Trucker alle geweckt werden, um umzuparken. Nach 2 Stunden war das Schiff wieder halbwegs gerade und konnte nach Venedig auslaufen.

Dort kam es auch an.  Natürlich nicht ohne eingehende Durchsuchung bei der „Guardia di Finanza“. Glücklicherweise konnte ich meine Italienischkentnisse aus dem Hut zaubern und dem Zollbeamten verklickern, dass sein Köter bereits der Fünfte sein wird, der nichts finden wird. Im Laufe des Gesprächs stellte sich heraus, dass er mal ein Dorf  weiter von meiner Wohnung in Südtirol im Urlaub war.

„Io 3 Anni lavoro in Alto Adige, Valle Aurina“

Während des Gesprächs war der Köter dann auch fertig und ich durfte mit dem Kommentar „Tuo a vieni tutto la monde“ (Du hast ja schon fast die ganze Welt gesehen, Frei übersetzt) weiter fahren. Nächste Station war Bruneck. Dort eine kurze Besichtigung meines ehemaligen Arbeitsplatzes gemacht, nett mit den Kollegen geschnackt, und dann ab nach Hause.

Das rechte Rücklicht war übrigens defekt. Wurde dann noch schnell ausgetauscht.

 

Igoumenitsa-Bari-Venedig-Bruneck

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